Der Beginn......

In der Wanne liegend ließ sie ihr Leben Revue passieren. Sie fragte sich, wie wichtig die Anerkennung von einst war oder ist, und sie überlegte, warum sie diese Anerkennung überhaupt bekam. War es ihr Auftreten, ihr Durchhaltevermögen, ihre Loyalität, ihr Fleiß oder gar ihre Intelligenz? Sie wusste nur, dass es ihr damals gut tat.

 Die Bilder in ihrem Kopf waren anfangs wirr und begannen sich immer mehr zu ordnen.

Wie es begann oder was war der eigentliche Anfang ihrer Geschichte? Sie überlegte lange nach, wie es zu all dem kam.

Sie wuchs in einem sehr strengen Elternhaus auf, in dem es ihr verboten war, einen Jungen oder später einen Mann mit nach Hause zu bringen. Das galt auch für die Zeit ihres Studiums. Doch kaum auf der Universität, gab es einige junge Männer, die ihr Interesse an ihr bekundeten und sie umgarnten. Geprägt durch ihre Erziehung, wies sie diese jedoch ab. Zum einen dachte sie, dass sie das nicht dürfe, zum anderen war ihr bewusst, dass kaum ein Mann diese Umstände akzeptieren würde. Um sich gegen ihre Eltern aufzulehnen fehlte ihr der Mut. Sie lebte noch bei ihnen und war überdies auf deren finanzielle Unterstützung angewiesen.

In einem Praktikum traf sie dann auf einen jungen Mann, der aber nicht davon abzubringen war, eine Beziehung mit ihr einzugehen. Er machte ihr den Hof, bekundete ihr immer wieder seine Liebe und schließlich ging sie eine heimliche Beziehung zu ihm ein, womit er einverstanden war. Dass es nicht die große wahre Liebe war, war ihr klar, doch sie arrangierte sich mit diesem Gedanken und redete sich selbst ein, dass Liebe überbewertet wird. Wer braucht schon große Gefühle. Je weniger Gefühl dabei ist, umso weniger wird man verletzt. Sie fand ihn zeitweise lustig, nicht besonders attraktiv, immerhin war er groß gebaut und immer zur Stelle, wenn sie etwas Freiraum schaffen konnte. Was will man mehr?

Sie kam zum ersten Mal ins Wanken, als sie in den Sommermonaten mit ihren Eltern eine längere Schiffsreise antrat. Auf diesem Schiff gab es einen Steward, der sich sehr um sie bemühte, auf höfliche und charmante Art und Weise. Zuerst dachte sie, dass das ein Klischee sei und das der Job dieser Berufsklasse sei, Frauen zu umgarnen. Doch dieser Mann war anders. Er war älter als sie, wirkte unheimlich erfahren und charmant und war wirklich bemüht. Er sah auch noch gut aus, war wortgewandt und brachte sie zum Nachdenken. Sie erzählte ihm zwar, dass sie zu Hause einen Freund habe, um seine Annäherungsversuche zu blockieren, doch das schien ihn nicht wirklich zu stören.

Bei jedem Landgang, den sie mit ihren Eltern antrat, tauchte er plötzlich auch auf, fand sich an diversen Stätten ein, wo sie hinging. Sie haderte ständig mit ihrem Gewissen und wusste, dass sie das nicht zulassen dürfe, weil das ihrem Freund gegenüber unfair gewesen wäre. Doch, sie liebte ihn ja nicht wirklich. Hier ging es mehr um Loyalität. Sie waren seit einem Jahr ein Paar und es erschien ihr unpassend, ihn so fallen zu lassen. Betrug kam für sie nicht in Frage..........

2.11.15 21:20

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